Vorwort Fiskus trickst die Rentner aus
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Vorwort Fiskus trickst die Rentner aus
Vorwort Den wohl unverschämtesten Zugriff in die Taschen der Rentner hat sich der Fiskus geleistet. Seit Januar 2005 beträgt der steuerpflichtige Anteil der gesetzlichen Rente mindestens 50%, für Neurentner des Jahres 2007 gar 54%! Bis 2004 waren es meist nur 27%. Die Folge: Etwa 1,3 Millionen Rentner müssen nunmehr eine Steuererklärung abgeben, weil sie Einkünfte oberhalb der Steuerfreibeträge hatten. Mit dem Nachzahlungsbescheid erhalten sie zugleich einen Vorauszahlungsbescheid für das Folgejahr. Dies bedeutet: Steuern für zwei Jahre auf einen Schlag berappen, Zahlungsfrist 4 Wochen, da kennt der Fiskus keine Gnade. Damit alles reibungslos klappt, gibt es ein eigenes Steuerformular, die Anlage R. Zudem wird der Überwachungsstaat auch auf Rentner ausgedehnt. Nicht nur, dass der Fiskus alle inländischen Bankkonten in einer Datenbank speichert und fast alle EU-Staaten dem deutschen Fiskus für die im Ausland kassierten Zinsen Kontrollmitteilungen schicken. Auch über die Renten weiß der Fiskus künftig Bescheid, da er von den Rentenversicherungsträgern jährlich eine Rentenbezugsmitteilung bekommt. Jetzt haben wir den Salat. Dies bedeutet: Jeder Rentner mit Nebeneinkünften, sei es in Form einer Betriebspension, aus Kapital oder Mietshausbesitz, wird prüfen müssen, ob er von dem neuen Gesetz, das sich Alterseinkünftegesetz nennt, betroffen ist. Wenn ja, sollte er erstens eine Steuererklärung abgeben und zweitens finanziell Vorsorge treffen für die Steuernachzahlung und die Vorauszahlung für das Folgejahr. Fiskus trickst die Rentner aus Die ganze Misere der Rentenbesteuerung zeigt sich aber erst im Detail, beschrieben im Kapitel »Die Anlage R«. Um nur einen Punkt herauszugreifen: Wenn oben von einem steuerpflichtigen Teil der Rente von 50% oder mehr die Rede ist, dann ist das nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit wird der steuerfreie Teil in Euro als Festbetrag auf Dauer festgeschrieben. Dies bedeutet: Alle künftigen Rentenerhöhungen, wenn sie denn kommen sollten, sind in voller Höhe steuerpflichtig. Das ist ein raffinierter Trick zur Täuschung der Rentner über das wahre Ausmaß der Rentensteuer. Die erste Steuererklärung ist immer die schwerste. Deshalb ist dafür Hilfe vonnöten, entweder durch einen Steuerberater oder einen Steuerratgeber in Buchform. In diesem »Renten-Konz« werden die Steuerformulare, soweit sie für Rentner wichtig sind, anhand von Eintragungsbeispielen eingehend beschrieben, insbesondere das Rentnerformular, die Anlage R. Wie von Franz Konz nicht anders zu erwarten, findet der Leser zusätzlich jede Menge Tipps, die Steuerlast zu mindern oder möglichst ganz zu vermeiden. 17 Abkürzungen AfA AO BB BdF BewG BFH BFH/NV BGB BMF BStBl BUKG BV BVG DB DStZ EB-FAGO = = = = = = = = = = = = = = = = EFG EStDV EStG EStH EStR FA FG HFR KapESt LStDV LStR nrk NWB rk Rz SolZ UStG VermBG WK WoPG ZAS ZPO = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = fl flfl = Für viele Steuerzahler besonders wichtig 18 Absetzung für Abnutzung (Abschreibung) Abgabenordnung Betriebsberater Bundesfinanzminister Bewertungsgesetz Bundesfinanzhof nicht amtlich veröffentlichtes BFH-Urteil Bürgerliches Gesetzbuch Bundesministerium der Finanzen Bundessteuerblatt Bundesumzugskostengesetz II. Berechnungs-Verordnung Bundesverfassungsgericht Der Betrieb Deutsche Steuer-Zeitung Ergänzende Bestimmungen zur FinanzamtsGeschäftsordnung Entscheidungen der Finanzgerichte Einkommensteuer-Durchführungsverordnung Einkommensteuergesetz Amtliche Einkommensteuer-Hinweise Amtliche Einkommensteuer-Richtlinien Finanzamt Finanzgericht Höchstrichterliche Finanzrechtsprechung Kapitalertragsteuer Lohnsteuerdurchführungs-Verordnung Lohnsteuer-Richtlinien nicht rechtskräftig Neue Wirtschafts-Briefe, Herne rechtskräftiges Urteil Randziffer Solidaritätszuschlag Umsatzsteuergesetz Vermögensbildungsgesetz Werbungskosten Wohnungsbauprämien-Gesetz Zinsabschlagsteuer Zivilprozeßordnung = Verdient ganz besondere Beachtung Wann muss ich als Rentner Steuern zahlen? 1 Ja, die Frage, ob Du wieder Zwangsmitglied im Club der Steuerzahler bist 1 und Jahr für Jahr eine Einkommensteuererklärung abgeben musst, treibt wohl nicht nur Dich, sondern auch Millionen anderer Rentner um. Wenn man einmal ganz streng nach den Buchstaben des Gesetzes vorgeht, wird für 2007 eine Einkommensteuererklärung fällig, wenn Dein Gesamtbetrag der Einkünfte folgende Grenzbeträge übersteigt: – – 7 664 € (Alleinstehende) 15 329 € (Verheiratete) Rentner, deren Besteuerungsanteil bei 50% liegt, müssen also eigentlich eine Steuererklärung abgeben, wenn ihre Rente 15 328/30 658 € (Alleinstehende/Verheiratete) übersteigt. Wer 2007 erstmals Rente bezogen hat, muss 54% seiner Einnahmen versteuern. Entsprechend mindern sich die genannten Beträge geringfügig. Die Hürde, ab der dann tatsächlich Steuern anfallen, ist aber wesentlich höher. Bei der Berechnung der Steuer kannst Du nämlich auch als Rentner mindestens noch folgende Beträge steuersparend absetzen: – Pauschbetrag für Werbungskosten von 102 € – Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bis zu einem Höchstbetrag von 1 500/3 000 € (Alleinstehende/Verheiratete) – Pauschbetrag für Sonderausgaben 36/72 € (Alleinstehende/Verheiratete) Berücksichtigt man diese Abzüge, liegt der Betrag der Renten, der noch keine Steuer auslöst, bei etwa 18 900/37 800 € (Alleinstehende/Verheiratete) pro Jahr bzw. 1 575/3 150 € pro Monat. Du kannst als reiner Rentner zunächst einmal aufatmen. Wie der größte Teil der Rentner bleibst damit vermutlich auch Du von der Steuer verschont. Nicht vergessen darfst Du zudem, dass sich bei vielen Rentnern weitere Steuerermäßigungen ergeben, wie – Abzug von Kosten für Haushaltshilfen – Pauschbeträge wegen Behinderung – Steuerermäßigungen wegen Krankheitskosten, Fahrtkosten etc. 2 Liegen solche Kosten vor, verschiebt sich der steuerfreie Rentenbetrag 2 automatisch weiter nach oben. Allerdings darfst Du bei Deinen Überlegungen nicht vergessen, dass Du zusätzlich zu Deiner Rente möglicherweise noch andere Einkünfte hast. Mit zusätzlichen Nebeneinkünften z. B. aus Kapitalvermögen oder Ver19 mietung kommst Du nämlich ganz schnell über die steuerlichen Freibeträge mit der Folge: Du unterliegst der Steuerpflicht der Rente und der Nebeneinkünfte. Wie hoch Deine Nebeneinkünfte sein dürfen, zeigt folgende Übersicht. Maximal steuerfreie Nebeneinkünfte Ledige Rentner BruttoSteuerMaximal jahresrente pflichtige steuerfreie Einkünfte Nebenaus Rente einkünfte (50%) 4 000 1 892 6 128 6 000 2 892 5 268 8 000 3 892 4 428 10 000 4 892 3 588 12 000 5 892 2 748 14 000 6 892 1 908 16 000 7 892 1 068 18 000 8 892 228 18 576 9 180 0 Rentner-Ehepaar BruttoSteuerMaximal jahresrente pflichtige steuerfreie Einkünfte Nebenaus Rente einkünfte (50%) 8 000 3 892 12 112 10 000 4 892 11 272 12 000 5 892 10 432 14 000 6 892 9 592 16 000 7 892 8 752 18 000 8 892 7 912 20 000 9 892 7 072 22 000 10 892 6 232 25 000 12 392 4 972 30 000 14 892 2 872 35 000 17 392 772 36 924 18 354 0 (Beträge in Euro) Bei dieser Übersicht musst Du Folgendes beachten: Wer 2007 erstmals Rente bezogen hat, muss nicht nur 50, sonder bereits 54% seiner Rentenbezüge versteuern. Entsprechend mindern sich auch die Beträge der Nebeneinkünfte, die zusätzlich zur Rente erzielt werden dürfen, ohne dass eine Steuer anfällt. 3 Übrigens gut zu wissen: Einkünfte aus einem 400-€-Job sind nicht steuer- 3 pflichtig, wenn Dein Arbeitgeber dafür die minimale Pauschalsteuer von 2% übernimmt. 20 Das Beste geben die Götter uns umsonst. (Ernst Jünger) 1 Überblick 4 In diesem Kapitel zeige ich, welche Formulare Du benötigst. Außerdem erkläre ich einige wichtige Begriffe aus dem Steuerrecht. 4 1.1 Unter welchen Umständen eine Steuererklärung abgeben? 5 6 Bevor Du Dich an Deine Steuererklärung machst und Dir die Formulare 5 zurechtlegst, spitz erst noch einmal die Ohren. Eine Steuererklärung wirst Du nur dann abgeben, wenn Du es entweder musst oder wenn Du eine Steuererstattung zu erwarten hast. Eine Steuererklärung musst Du abgeben, wenn Dich das Finanzamt dazu auffordert oder wenn der Gesamtbetrag Deiner Einkünfte 7 664/15 329 € (Alleinstehende/Verheiratete) übersteigt (§ 56 EStDV). Ohne eine solche Erklärungspflicht wirst Du eine Steuererklärung abgeben, wenn Dir z. B. Abzugssteuern (Lohnsteuer, Zinsabschlagsteuer oder Kapitalertragsteuer) einbehalten worden sind. Dann stellst Du durch freiwillige Abgabe einer Steuererklärung einen Antrag auf Veranlagung mit dem Ziel, die Steuerabzugsbeträge erstattet zu bekommen. Dabei gilt es, eine Frist von zwei Jahren einzuhalten. Die Steuererklärung für 2007 muss demnach spätestens bis Ende des Jahres 2009 beim Finanzamt eingegangen sein. TIPP Nicht immer sind Pensionäre zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet Entsprechend den Angaben in der Lohnsteuerkarte wird von Staats- und Betriebspensionen Lohnsteuer einbehalten. Durch den Abzug der Lohnsteuer hast Du Deinen Obolus an Vater Staat bereits entrichtet. Die einbehaltene Lohnsteuer entspricht normalerweise der Steuer, die sich bei Abgabe einer Steuererklärung ergeben würde. Deshalb bist Du eigentlich nicht verpflichtet, Jahr für Jahr auch noch eine Steuererklärung abzugeben. In manchen Fällen führt das System der Lohnsteuerberechnung allerdings zu falschen Ergebnissen, indem zu viel oder zu wenig Lohnsteuer einbehalten wird. Den Fiskus interessieren logischerweise nur die Fälle, in denen zu wenig Lohnsteuer kassiert worden ist. Da fordert er eine Steuererklärung an (Quelle: § 46 EStG). 21 fifi 6 Und dies sind die Fälle, auf die der Fiskus sein begehrliches Auge richtet: ● sonstige steuerpflichtige Einnahmen von mehr als 410 € jährlich (z. B. als Trainer oder Übungsleiter mit einer Vergütung von mehr als 2 100 € (§ 3 Nr. 26 EStG), Zinseinnahmen, Überschüsse aus Vermietung oder auch Renteneinkünfte, ferner Provisionen aus Vermittlungsgeschäften), ● Arbeitslohn von mehreren Arbeitgebern gleichzeitig (eine Lohnsteuerkarte mit Steuerklasse VI), ● bei Ehegatten die Steuerklassen III/V statt IV/IV, ● Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eingetragen. 7 Allerdings: Das Finanzamt kann Dir erst dann eine Nachzahlung aufbrummen, wenn es Deine Steuererklärung vorliegen hat. Also wirst Du die Steuererklärung möglichst spät abgeben. 7 Mehr zur Abgabefrist findest Du im Kapitel »Umgang mit dem Finanzamt« weiter hinten. 8 Steuererstattungsfälle Im umgekehrten Fall, wenn also zu viel Lohnsteuer einbehalten worden 8 ist, musst Du selbst aktiv werden und mit Abgabe einer Steuererklärung einen Antrag auf Veranlagung stellen. Zu viel gezahlte Lohnsteuer wird dann erstattet. Dies sind die wichtigsten Fälle, die zu einer Steuererstattung führen können: ● Keine ununterbrochene Beschäftigung während des ganzen Jahres, z. B. durch Nebentätigkeit bei Vorlage der Steuerkarte mit Steuerklasse VI ● Verluste aus einer anderen Einkunftsart, z. B. Vermietung, ● berufliche Ausgaben (Werbungskosten) von mehr als 920 €, ● Lohnsteuerabzug bei Ehegatten, die beide Arbeitslohn bezogen haben, nach Lohnsteuerklasse IV/IV. Je höher der Unterschied im Bruttoverdienst der Ehegatten ist, umso höher kann die Erstattung sein. Egal, ob Du Einkommensteuerzahler bist, also Vorauszahlungen auf die Steuer entrichten musst, oder ob Deine Steuer allein durch den monatlichen Lohnsteuerabzug erhoben wird: Es wird immer nach demselben Schema gerechnet und auch dieselbe Steuertabelle angewendet. 9 Kein Freistellungsauftrag für Kapitaleinkünfte? Ein Antrag auf Veranlagung – durch Abgabe einer Steuererklärung – ist 9 auch dann zu stellen, wenn für Kapitalerträge kein Freistellungsauftrag erteilt worden ist. Nur so können einbehaltene Zinsabschlag- und Kapitalertragsteuern erstattet werden. 22 1.2 Formulare für die Einkommensteuererklärung 10 11 Das Hauptformular Dieses vierseitige Formular ist für alle obligatorisch. Es fragt nach Deinen 10 persönlichen Daten und erfordert Deine Unterschrift. Hier beantragst Du außerdem die persönlichen Steuerermäßigungen für ● Sonderausgaben (Versicherungsbeiträge, Kirchensteuern, Spenden . . . > Zeile 61–88), ● außergewöhnliche Belastungen (Behinderung, Heimunterbringung, Krankheitskosten . . . > Zeile 91–105) und ● haushaltsnahe Dienstleistungen/Beschäftigungsverhältnisse, Pflege-, Betreuungs- sowie Handwerkerleistungen (> Zeile 106–114). Die Anlage U benötigst Du für den Abzug von Unterhaltsleistungen an 11 den geschiedenen oder dauernd getrennt lebenden Ehegatten als Sonderausgaben. Arbeitnehmer/Pensionäre Anlage N 12 Zum Hauptformular gehören darüber hinaus zusätzliche Anlagen für 13 Sparer 13 Anlagen KAP und AUS Die Anlage KAP ist nur auszufüllen, wenn die Kapitalerträge 801 €, bei Zusammenveranlagung von Ehegatten 1 602 € überschreiten oder Kapitalertragsteuer/Zinsabschlag oder Körperschaftsteuer zu erstatten sind. Ausländische Zinsen, z. B. aus einer Beteiligung an einem Investmentfonds, musst Du zusätzlich in der Anlage AUS erklären. 12 14 Vermieter Anlage V 15 Rentner 15 Anlage R »R« steht für Renteneinkünfte. Auf zwei Seiten wird hier nach gesetzlichen und privaten Renten gefragt. Auch Einnahmen aus RiesterVerträgen und der betrieblichen Altersversorgung gehören in das Formular. 16 Anleger/ Immobilienbesitzer 16 Anlage SO SO steht für »Sonstige Einkünfte«. In dieses Formular sind Erträge aus Spekulationsgeschäften (»privaten Veräußerungsgeschäften«) einzutragen. 17 14 Alle beigefügten Anlagen im Mantelbogen vermerken Sei dem Fiskalritter mal gut und kreuze im Hauptformular in > Zeile 17 31–38 die entsprechenden Kästchen für die von Dir beigefügten Anlagen 23 an, damit er sieht, dass alles vollständig ist und er beruhigt seinen Haken daran machen kann. Die vereinfachte Steuererklärung für Arbeitnehmer und Pensionäre 18 Eine große Zahl von Zeilen, Kennziffern und Fragen in den Steuerformu- 18 laren ist für die meisten Steuerzahler gar nicht relevant. Daher haben die Fiskalbürokraten ihre verflixten Formulare einmal durchforstet und zusammengestellt, welche Kennziffern die meisten Arbeitnehmer/Pensionäre überhaupt benötigen. Das Ergebnis ist die vereinfachte Steuererklärung. Den vereinfachten Erklärungsvordruck können nur verwenden: – Ehepaare und Singles, die nur Arbeitslohn bzw. Versorgungsbezüge (ggf. Lohnersatzleistungen wie z. B. Arbeitslosengeld, Mutterschaftsgeld . . .) im Inland bezogen haben und – die ausschließlich die im Formular bezeichneten Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen geltend machen. Die Einfacherklärung scheidet für Dich aus, wenn Du: – Sparer, Rentner oder Vermieter bist, – ausländische Einkünfte bezogen hast, – geschieden bist und Unterhaltsleistungen Deines Expartners versteuern musst, – Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer, doppelte Haushaltsführung oder Werbungskosten bei Einsatzwechsel- oder Fahrtätigkeit steuerlich geltend machen kannst, – folgende Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen absetzen willst: zusätzliche Beiträge zur Pflegeversicherung, Renten, dauernde Lasten, Unterhaltsleistungen an den geschiedenen/dauernd getrennt lebenden Ehegatten, Aufwendungen für die Berufsausbildung, Parteispenden, Kosten für eine Haushaltshilfe und für Heimunterbringung sowie Unterhalt an bedürftige Personen, – einen Steuerbonus für Aufwendungen für haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse/Dienstleistungen, Pflege- und Betreuungsleistungen sowie Handwerkerleistungen beanspruchen möchtest. Wie Du siehst, eine ganze Reihe von Steuervergünstigungen kannst Du mit der vereinfachten Steuererklärung gar nicht erst geltend machen. Da lässt sich leicht erklären, warum der Vordruck aus nur zwei Seiten besteht. Auf folgende Punkte musst Du besonders achten, wenn Du Dich trotzdem für die vereinfachte Steuererklärung entschieden hast: 24 – Eltern fügen dem Hauptformular für ihren Nachwuchs die Anlage/n Kind bei. – Darüber hinaus ist die Anlage VL (vermögenswirksame Leistungen) und AV (Riester-Sparvertrag) mit einzureichen. – Eintragungen der Lohnsteuerbescheinigung müssen, mit Ausnahme der eTIN, nicht in das Formular übertragen werden, sie werden automatisch vom Finanzamt berücksichtigt. Seite 1 Allgemeine Angaben/Angaben zu Kindern/Altersvorsorgebeiträge/Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit/Vorsorgepauschale 19 Auf der ersten Seite trägst Du Deine persönlichen Daten ein, außerdem 19 Deine Bankverbindung. In der unteren Hälfte (> Zeile 20) wird angegeben, wie viele »Anlagen Kind« abgegeben werden, und angekreuzt, ob man Anlagen AV (RiesterRente) abgibt. Schließlich folgen die Angaben zu Arbeitseinkünften bzw. Lohnersatzleistungen in den > Zeilen 21–26. Seite 2 Werbungskosten/Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen 20 An Werbungskosten können ausschließlich eingetragen werden: 20 > Zeile 31–35 sowie > Zeile 37–41: Angaben zur Entfernungspauschale (Wege zwischen Wohnung und Arbeitsstätte) > Zeile 36 und 42 Aufwendungen für Arbeitsmittel, Bewerbungskosten, Fortbildungskosten, Kontoführungsgebühren, Reisekosten und Beiträge zu Berufsverbänden Für Versicherungsbeiträge, Kirchensteuerzahlungen und Spenden sind die > Zeilen 43–51 vorgesehen. Verbleiben noch die > Zeilen 52 und 53 für die Geltendmachung des Behinderten-Pauschbetrags sowie übriger außergewöhnlicher Belastungen wie Ehescheidungskosten, Fahrtkosten Behinderter, Krankheitskosten, Kurkosten und Pflegekosten. Die Ausführungen und zahlreichen Tipps im Konz zu den entsprechenden Eintragungen in den normalen Formularen (Hauptvordruck, Anlage N) kannst Du natürlich auch beim Ausfüllen der vereinfachten Steuererklärung nutzen. Aber lass Dich nicht täuschen. Bevor Du Dich mit der Einfacherklärung zufrieden gibst, hier noch mein . . . 25 Guter Rat Mit der vereinfachten Steuererklärung hast Du auch weniger Möglichkeiten, Deine Steuerlast zu senken. Daher rate ich Dir: Pfeif auf die vereinfachte Steuererklärung und studiere den Konz mit seinen zahlreichen Steuertipps. Ich bin sicher, Du findest eine Reihe von Anregungen für Deine Steuererklärung, die Dir bares Geld bringen und an die Du bei Verwendung der vereinfachten Erklärungsvordrucke gar nicht erst gedacht hättest. Wer werben will, muss lächeln. (Manager Schütte) 1.3 Allgemeines zur Lohn- und Einkommensteuer 1.3.1 Begriffe aus dem Steuerrecht 21 In diesem Buch werden Begriffe verwendet, die nicht allen Lesern geläu- 21 fig sind und deshalb noch der Erläuterung bedürfen: Einkommensteuer Körperschaftsteuer Lohnsteuer Kapitalertragsteuer Zinsabschlag Werbungskosten 26 Steuer, die natürliche Personen (also Du und ich) nach ihrem zu versteuernden Jahreseinkommen zu entrichten haben. Steuer, die juristische Personen (z. B. AG oder GmbH) nach ihrem zu versteuernden Jahreseinkommen zu entrichten haben. Die vom Arbeitslohn einbehaltene Einkommensteuer. Die Lohnsteuer wird bei der Veranlagung zur Einkommensteuer angerechnet. Die von Gewinnausschüttungen der Kapitalgesellschaften einbehaltene Einkommensteuer. Sie wird bei der Veranlagung zur Einkommensteuer angerechnet. Die Bank hält bei der Auszahlung von Zinsen den Zinsabschlag ein, wenn Du ihr keinen Freistellungsauftrag erteilt hast. Der Zinsabschlag wird bei der Veranlagung auf Deine Einkommensteuer angerechnet. Alle Ausgaben, die im Zusammenhang mit steuerpflichtigen Einnahmen der folgenden Einkunftsarten 4–7 stehen Einkunftsarten Einkünfte Veranlagung Lohnsteuerermäßigung Steuersatz Progressionsvorbehalt Verheiratete Alleinstehende Das Einkommensteuergesetz kennt sieben Einkunftsarten: 1. Land- und Forstwirtschaft 2. Gewerbebetrieb 3. Selbständige Arbeit 4. Nicht selbständige Arbeit, auch aus Pensionen 5. Kapitalvermögen 6. Vermietung und Verpachtung 7. Sonstige Einkünfte (z. B. Renten) Einkünfte sind bei den Einkunftsarten 1–3 der Gewinn oder Verlust, bei den Einkunftsarten 4–7 der Überschuss der Einnahmen über die Werbungskosten oder Verlust. Festsetzung einer Steuer durch Steuerbescheid Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte Deine Steuer in % Deines zu versteuernden Einkommens Arbeitslosengeld, Kurzarbeiter- und Schlechtwettergeld usw. sind zwar steuerfrei, werden aber bei der Ermittlung des Steuersatzes berücksichtigt. Eheleute, die nicht dauernd getrennt leben Unverheiratete; Ehegatten, die dauernd getrennt leben 1.3.2 Steuerbelastung 2007 1.3.2.1 Steuerbelastungstabellen 22 Hier findest Du zwei einfache, aber nützliche Tabellen, mit deren Hilfe 22 Du leicht feststellen kannst, wie viel Steuerersparnis Dir eine Ausgabe bringt. Dazu brauchst Du nur in etwa die Höhe Deines zu versteuernden Einkommens auszurechnen. Für die Berechnung verwendest Du am besten das Schema weiter unten. Zugleich zeigt Dir die Tabelle in aller Deutlichkeit, wie unverschämt der Fiskus in Deine Taschen langt. Zur besseren Übersicht ist die Steuerbelastungstabelle in größeren Stufen aufgebaut, wobei die steuerliche Belastung der letzten 1 000 € des zu versteuernden Einkommens angegeben wird. Mit Hilfe der Steuerbelastungstabelle kannst Du schnell die steuerliche Belastung (durch eine Einkommenserhöhung) oder Entlastung (durch eine Einkommensminderung) veranschlagen. 27 Beispiel: Durch zusätzliche Ausgaben wird sich Dein zu versteuerndes Einkommen für 2007 von 46 000 € um 3 000 € auf 43 000 € verringern. Der Fiskus beteiligt sich an den ersten 1 000 € mit zweiten 1 000 € mit dritten 1 000 € mit Insgesamt mit 23 39,2% = 38,8% = 38,3% = 392 € 388 € 383 € 1 163 € Steuerbelastungstabelle 2007 für den Grundtarif (ohne KiSt und SolZ) (geringfügige Abweichungen bleiben vorbehalten) Zu versteuerndes Einkommen € 7 000 8 000 9 000 10 000 11 000 12 000 13 000 14 000 15 000 16 000 17 000 18 000 19 000 20 000 22 000 24 000 26 000 28 000 30 000 32 000 34 000 28 Einkommensteuer insgesamt nach Grundtabelle € % 0 51 216 398 598 816 1 051 1 294 1 542 1 794 2 051 2 313 2 579 2 850 3 405 3 978 4 569 5 179 5 807 6 454 7 119 0 0,6 2,4 4,0 5,4 6,8 8,1 9,2 10,3 11,2 12,1 12,9 13,6 14,3 15,5 16,6 17,6 18,5 19,4 20,2 20,9 Belastung der letzten 1 000 € % 0 15,6 17,4 19,1 20,9 22,7 24,1 24,5 25,0 25,5 25,9 26,4 26,8 27,3 28,2 29,1 30,0 31,0 31,9 32,8 33,7 Zu versteuerndes Einkommen € 36 000 38 000 40 000 42 000 44 000 46 000 48 000 50 000 55 000 60 000 65 000 70 000 75 000 80 000 85 000 90 000 95 000 100 000 110 000 120 000 Einkommensteuer insgesamt nach Grundtabelle € 7 802 8 503 9 223 9 961 10 717 11 492 12 285 13 096 15 186 17 286 19 386 21 486 23 586 25 686 27 786 29 886 31 986 34 086 38 286 42 486 % 21,7 22,4 23,1 23,7 24,4 25,0 25,6 26,2 27,6 28,8 29,8 30,7 31,4 32,1 32,7 33,2 33,7 34,1 34,8 35,4 Belastung der letzten 1 000 € % 34,6 35,5 36,4 37,4 38,3 39,2 40,1 41,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 42,0 23 24 Steuerbelastungstabelle 2007 für den Splittingtarif (ohne KiSt und SolZ) (geringfügige Abweichungen bleiben vorbehalten) Zu versteuerndes Einkommen € 7 000 8 000 9 000 10 000 11 000 12 000 13 000 14 000 15 000 16 000 17 000 18 000 19 000 20 000 22 000 24 000 26 000 28 000 30 000 32 000 34 000 Einkommensteuer insgesamt nach Grundtabelle € % 0 0 0 0 0 0 0 0 0 102 262 432 610 796 1 196 1 632 2 102 2 588 3 084 3 588 4 102 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0,6 1,5 2,4 3,2 4,0 5,4 6,8 8,1 9,2 10,3 11,2 12,1 Belastung der letzten 1 000 € % 0 0 0 0 0 0 0 0 0 15,6 16,5 17,4 18,2 19,1 20,9 22,7 24,1 24,5 25,0 25,5 25,9 Zu versteuerndes Einkommen € 36 000 38 000 40 000 42 000 44 000 46 000 48 000 50 000 55 000 60 000 65 000 70 000 75 000 80 000 85 000 90 000 95 000 100 000 110 000 120 000 Einkommensteuer insgesamt nach Grundtabelle € Belastung der letzten 1 000 € % 4 626 5 158 5 700 6 250 6 810 7 378 7 956 8 542 10 050 11 614 13 236 14 916 16 652 18 446 20 296 22 204 24 170 26 192 30 372 34 572 24 % 12,9 13,6 14,3 14,9 15,5 16,0 16,6 17,1 18,3 19,4 20,4 21,3 22,2 23,1 23,9 24,7 25,4 26,2 27,6 28,8 26,4 26,8 27,3 27,7 28,2 28,7 29,1 29,6 30,7 31,9 33,0 34,2 35,3 36,4 37,6 38,7 39,9 41,0 42,0 42,0 1.3.2.2 Die Grenzbelastung im Einkommensteuertarif 2007 25 Für Deine künftigen Planungen zeigt die Übersicht weiter unten in gra- 25 phischer Form die Einkommensteuerbelastung im Grenzbreich in Prozent für 2007. Die Grenzbelastung ist für Fragen der Steuerersparnis maßgebend. Der Prozentsatz zeigt Dir: a) In dieser Höhe wird jeder zusätzlich verdiente Euro besteuert. b) In dieser Höhe beteiligt sich der Fiskus an jedem Euro, den Du zusätzlich einkommensmindernd abziehst. Die Durchschnittsbelastung ist indessen niedriger als die Grenzbelastung, weil sie den Grundfreibetrag und die Steuerprogression berücksichtigt. Für Fragen der Steuerplanung ist indessen nur die Grenzbelastung maßgebend. 29 1.3.2.3 Aufbau des Einkommensteuertarifs 2007 26 Der Einkommensteuertarif 2007 unterteilt das zu versteuernde Einkom- 26 men in drei Zonen: I. Steuerfreie Zone II. Progressionszone III. Proportionalzone Steuersatz 0% Steuersatz 15 bis 42% Steuersatz 42% Darunter fallen: Darunter fallen: Darunter fallen: Ledige bis 7 664 € Ledige mit 7 665 bis 52 151 € Ledige ab 52 152 € Verheiratete bis 15 328 € Verheiratete mit 15 329 bis 104 303 € Verheiratete ab 104 304 € Jahreseinkommen* Jahreseinkommen* Jahreseinkommen* * nach Abzug aller Freibeträge und Pauschalen Reichensteuer ab 2007 Für Topverdiener mit mehr als 250 000 €/500 000 € Jahreseinkommen (Alleinstehende/Ehegatten) beträgt der Spitzensteuersatz 45 statt 42%. Kennst Du überhaupt die Wirkung der Steuerprogression? Nein, nicht so gut? Pass auf und sieh, wie Dir der Fiskus durch die Steuerprogression in die Tasche langt: Steuerprogression 2007 Einkommen Steuer nach Grundtarif durchschnittlicher Steuersatz 20 000 € 40 000 € 2 850 € 9 230 € rd. 14,2% rd. 23,0% Also, bei doppelt hohem Einkommen beträgt die Steuer mehr als das Dreifache. Die ganze Misere wird aber erst so recht deutlich, wenn Du Dir die Steuerbelastung für die zweiten 20 000 € ansiehst. Dafür bittet Dich der Fiskus mit sage und schreibe 6 373 € zur Kasse. Das sind schon rund 32%. 1.3.2.4 Zum Grundfreibetrag 27 Nach einem Machtwort des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe darf 27 das Existenzminimum nicht besteuert werden. Als Existenzminimum wird das angesehen, was Sozialhilfeempfängern auch ohne Beschäftigung 30 steuerfrei zusteht. Das Existenzminimum ist in den Steuertabellen als Grundfreibetrag ausgewiesen. Die folgende Übersicht zeigt, wie hoch Dein zu versteuerndes Einkommen sein darf, damit bei Dir keine Steuer anfällt: Entwicklung des Grundfreibetrags und des Einkommensteuertarifs Jahr Grundfreibetrag 2001 Eingangssteuersatz Spitzensteuersatz 14 093 DM 19,9% 48,5% ab 107 568 DM 2002/2003 7 235 € 19,9% 48,5% ab 55 008 € 2004 7 664 € 16,0% 45,0% ab 52 152 € 2005–2007 7 664 € 15,0% 42,0% ab 52 152 € Die Grundfreibeträge sind in die Einkommensteuertabellen eingearbeitet. Welche Beträge bleiben beim monatlichen Lohnsteuerabzug steuerfrei? 28 Auch in den für den monatlichen Lohnsteuerabzug maßgebenden Tabel- 28 len sind die Grundfreibeträge berücksichtigt. Dein monatlicher Arbeitslohn, z. B. auch aus Staats- und Betriebspensionen, muss demnach folgende Grenze überschreiten, bevor bei Dir Lohnsteuer, Kirchensteuer und der Soli-Zuschlag einbehalten werden: Alleinstehender, Steuerklasse I Alleinstehender (mit Kind), Steuerklasse II Verheirateter, Steuerklasse III Verheirateter, Steuerklasse IV Verheirateter, Steuerklasse V 2007 896,99 € 1 031,99 € 1 700,99 € 896,99 € 74,99 € Die steuerfreien Beträge setzen sich zusammen aus dem monatlichen Grundfreibetrag, der anteiligen Vorsorgepauschale sowie dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag. 31